on the road - Andere Länder, andere Straßen.
05 09 08 - 14:47 Ja, das muss man mal mitgemacht haben. Die Anreise an die Algarve mit dem Auto. Dietmar schwärmte ja immer von der tollen Fahrt, welche bereits wie Urlaub ist. Also habe ich mich (in der heimlichen Hoffnung, bis dahin endlich meinen VW Tiguan, welcher seit November 2007 bestellt ist, mein eigen nennen zu dürfen) dazu hinreissen lassen, mich auf dieses Abenteuer einzulassen.Nachts, 3.30Uhr geht es in Jebenhausen los. Es fängt schon leicht an zu tröpfeln. Aber Dietmar und ich sind guter Dinge, es geht ja in den Urlaub.
Bereits auf der A8 in Richtung Karlsruhe ist es sehr verregnet. Aber nachdem wir die ewigen Baustellen der A8 bei recht freier Straße hinter uns haben und über die A5 nach Freiburg unterwegs sind, gestaltet sich die Fahrt noch als recht angenehem.
Wir sind gut ausgestattet mit einer neuen Kühlbox von Waeco, und die macht wirklich ordentlich kalt, Wasser, Cola, RedBull und 10 Schinken-Brötchen.
Dan Frankreich, ich bin nach wie vor am Steuer, wir fahren ja immer einen Tank leer und wechseln dann. 130km/h Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen. Gar nicht mal so schlecht, denn trotz steigendem Verkehrsaufkommen fließt der Verkehr. Hätte ich nicht gedacht. Kontrolliert wird das ganz durch Radarkontrollen, Polizeifahrzeuge unterwegs und Motorradpolizisten "auf der Lauer". Und als ausländisches Kennzeichen fährt man doch etwas langsamer, man kennt ja die Stories, wie gern ausländische Fahrzeuge und deren Fahrer im Ausland mit drakonischen Strafen belegt werden. Aber wie gesagt, mit 130km/h geht es bis Lyon recht zügig durch.
Aber dann ... ein Stau, direkt nach Lyon hinein. Immer wieder scheren Fahrzeuge vor uns aus, auch auswärtige Kennzeichen. Dann hat auch unser Navigon-Navigationssystem seine Route "an die aktuelle Verkehrslage" angepasst und läßt uns auch ausbrechen - nach rechts - in die Stadt. Bis dahin ein großer Dank an Navigon. Die aktuelle Software ist einfach spitze. Grafisch hochwertig, sehr detailiert.
Jetzt sind wir in Lyon, es regnet, was nur geht (und das schon seit der Abfahrt in Deutschland - unlucky zu Urlaubsbeginn). Und wir dürfen uns durch die Stadt quälen. Da, eine Tankstelle. Das passt, kurze Pause, Fahrerwechsel und Tanken - das war der Plan. Denkste. Wer erfindet Tankstellen mit Tankautomaten, welche alle Karten als Zahlungsmittel akzeptieren - ausser Mastercard oder EC-Kart. Zwei Versuche, wir stehen da wie Dick & Doof. Schluss, wir fahren weiter. Wird ja wohl noch ne Tanke mit echten Menschen kommen. Also weiter in die Stadt, in einen weiteren Stau, Kreisverkehre mit Ampeln und totaler Straßenüberlastung. Nie wieder. Lieber mit einem Dreirad ohne Lenker durch Berlin - mit verbundenen Augen. Aber nie wieder Lyon.
Als wir es denn endlich aus der Stadt heraus geschaft haben, verfliegt das Gefühl eines Hamsters im Labyrint. Da auch schon die Tanke. Endlich. Essen fassen, Tanken, was trinken. "Dietmar, Sie haben die Brücke." Weiter geht's.
An Schlaf ist nicht zu denken, also bisserl lesen, Gegend anschauen. Frankreich, die Nation. Ganz ehrlich? Schon ab der Grenze Deutschland/Frankreich läßt die Qualität nach. Was ich bisher nur von Spanien und Portugal kannt, beginnt schon in Frankreich. Tote Landstreifen. Ruinen. Brach liegende Industrieanlagen. Alte Wohnsiedlungen. Abgeblätterter Putz, Schmutz, ungepflegte Gegenden. Ist das der "mediterane Einfluss". Sind wir in Deutschland verwöhnt? Naja, mich stört es ja nicht. Wir sind auf dem Weg in den Urlaub, kennen die dortigen Verhältnisse und Prioritäten und erwartn ncihts anderes. Auf, gen Süden.
Es läuft alles Glatt, ohne Zwischenfälle, aber dann ... Grenze zu Spanien ... der Zoll. Alle dürfen durch, wir natürlich nicht. Sieht Dietmar aus wie ein Mafiosi? Der junge Zollbeamte schaut unsere Fracht durchs Fahrerfenster an. Kritisch. Wir schmuggeln ja gerade 10 ... nein, 7 Schinken-Brötchen, Cola, Wasser, Bull, Kosmietig, Kleidung und ein seltenes Meerestier "Kraki". Der Schwei steht uns auf der Stirn. Angst, Adrenalin. Werden wir es schaffen, oder fahren wir ein. Verschollen in französischen Strafeinrichtungen tauchen wir eines Tages vielleicht wieder auf. .... Dann die Fragen: "Passport! Wo kommen Sie her? Wohin wollen Sie? Haben Sie etwas zu verzollen?". Natürlich in perfektem Deutsch - schön wär`s. Französisch, Englisch. Nervös stammeln wir von Deutschland, nach Portugal. Was zu verzollen? Zum Beispiel, fragen wir. 10.000Euro?! Wir lachen. Sehen wir so aus? Wir dürfen weiter. Auf nach Spanien.
Autobahn 120km/h - ein riesen Unterschied zu 130km/h in Frankreich. Ehrlich. Es ist eine Qual. Auch hier immer die Info auf elektronischen Anzeigetafeln, daß die Geschwindigkeit gemessen wird. Also, max. 10km drüber. Wir reizen alles aus, aber das bringt nicht viel. Mautstationen, Baustellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 80km/h über bis zu 20km. Unglaublich. Und dann bestehen die Baustellen gerade mal aus ein paar Hütchen. Mehr nicht. Wer macht sowas. Nicht zu glauben. Dietmar läßt rollen. Zwischendurch wieder Pausen. Naja, die WCs, welche nicht wirklich an eine Rastanlage angebunden sind schaut man sich lieber nicht an. Verkneifen ist angesagt, das war schon in Frankreich so. Tanken. Und wieder ein Wechsel. Weiter geht es. Wir passieren die Küstentreifen um Tarragona, Torredembara, Lloret De Mar, Barcelona. Kurz vor Portugal sagen wir, Tanken wir nochmals. Es wird langsam wieder Dunkel. Valencia unser Ziel vor der Dunkelheit. Kein Thema, schafen wir, aber in Valencia ist weg. Nein, nicht wirklich, aber wir müssen nicht mehr hindurchfahren, sondern umfahren die Stadt. Es wird Abend, es wird Nacht. Und wir werden müde. Wir wechseln jetzt etwss häufiger. Vor der Grenze nach Portugal wollen wir nochmal tanken. Denn der Sprit in Spanien ist ca. 20-30ct günstiger als in Frankreich oder Portugal. Machen wir auch, wir tanken, wir wechseln, wir fahren, wir wechseln.
Wir sind auf dem Weg nach Toledo. Über die A42. Ein Erlebnis. Aus der A42 wird die N310 und die A42 und die N310 und ... so weiter. Wie kann man alle 1-2km neue Brücken über eine Bundestraße bauen, ohne das es weit und breit passende Querstraßen gibt. Immer wieder 100 - 80 - 60 - Baustelle. Das macht keinen Spaß. Zusätzlich ist die Ausschilderung grauenvoll. Die ganze Straße eine einzige Baustelle. Immer wieder fährt man herunter, auf Parallelstraße weiter, wieder drauf, und das Ganze wieder von vorn. Wir müssen nicht alles verstehen. Vielleicht gab es die Brücken billiger? "Kauf 10, bekomm 11"? Keine Ahnung. Der Straßenbau in Spanien scheint noch in einer früheren Evolutionsphase zu stecken.
Dann die Tanke. Nochmal voll. Es geht in den Endspurt. Wir wechseln alle 30min bis 60min. Müde und mit Schmerzen in allen Knochen. Wir sind es doch nicht gewohnt, so lange zu fahren. Warum machen wir das eigentlich, frage ich mich immer wieder.
Dann die Stadt Huelva, die Grenze nach Portugal rückt näher. Ich übernehme wieder, tanke RedBull in festen Zeiteinheiten von 15min. Jetzt komm ich "nach Hause". Die Grenze ist passiert und Faro ist angeschrieben. Dietmar schläft. Ich bin hellwach. Auch hier 120km/h. Macht mir jetzt nichts mehr aus. Albufeira. Das Navi will eine andere Route, ich nicht. Hier kenn ich mich aus. Auf nach Guia, dann Gale. Wir sind da. Total fertig. Aber da.
Ich esse das letzte Schinken-Brötchen, lese noch ein Kapitel in meinem Buch und schlafe seelig ein.
Einmal noch, auf dem Rückweg. Und dann nie wieder. Das verspreche ich Euch. Es geht nix über einen schönen Flug. Und billiger wird es mit dem Auto auf keinen Fall. Allein die Maut für eine einfache Strecke betrug ca. 100,-Euro. Dazu der Sprit. Der Verschleiss am Fahrzeug und der körperliche Stress bei 24h Autofahrt. Nein, dafür bin ich wohl zu bequem. Oder ich weiß besseres mit meiner Zeit anzufangen. Es liegt mir einfach nicht.

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